Vom ETF-Sparer zum Value Investor: Wie ich lernte, Aktien wirklich zu verstehen.

Vom ETF-Sparer zum Value Investor: Wie ich lernte, Aktien wirklich zu verstehen.
Photo by Nenad Kaevik / Unsplash

Inflation, mickrige Renten, Bankberater die dir nie einen ETF empfehlen würden — 2016 war für mich der Moment, an dem ich meine Finanzen endlich selbst in die Hand genommen habe. Keine große Strategie, kein Masterplan. Nur die Erkenntnis: So kann es nicht weitergehen.

The intelligent investor book with a cup of espresso.
Photo by Nenad Kaevik / Unsplash

Aber wie fängt man an?

Damals hatte ich von ETFs noch nie gehört. Einzelaktien ohne Ahnung kaufen? Viel zu riskant. In dieser Orientierungslosigkeit stieß ich auf das Buch, das alles veränderte — „The Intelligent Investor" von Benjamin Graham.

Die Geburtsstunde meiner Strategie: Benjamin Graham

Graham gilt als der Vater des Value Investing. Und seine drei Kernbotschaften wurden zu meinem Kompass — bis heute.

Investment vs. Spekulation. Ein echtes Investment verspricht nach gründlicher Analyse Sicherheit und eine angemessene Rendite. Alles andere ist Zockerei. Kein schönes Wort, aber das treffendste.

Mr. Market nutzen. Der Markt ist launisch — irrational, emotional, manchmal schlicht falsch. Man lässt sich von seinen Stimmungsschwankungen nicht mitreißen. Man nutzt sie. Der Markt dient dir. Er leitet dich nicht.

Die Sicherheitsmarge (Margin of Safety). Kaufe nur, wenn der Preis deutlich unter dem inneren Wert liegt. Dieser Puffer schützt dich vor Fehlern und vor dem, was der Markt manchmal mit dir anstellt.

Auf dieser Basis traf ich meine erste große Entscheidung: 100 % in ETFs. Sicher, breit diversifiziert, und für den Einstieg genau das Richtige. Jedem Beginner würde ich das auch heute noch empfehlen — ohne Wenn und Aber.

Wenn „Durchschnitt“ nicht mehr reicht

Dann kam die Ernüchterung.

Mit ETFs kauft man den breiten Markt — das bedeutet per Definition: maximal durchschnittliche Performance. Natürlich heißt es, man könne den Markt ohnehin nicht schlagen. Für die meisten stimmt das auch. Es braucht Disziplin, Fachwissen und ja, auch ein Quäntchen Glück.

Aber dann sah ich Kurssprünge wie bei SK Hynix. Plus 200 % in wenigen Monaten. Solche Chancen gehen im ETF-Rauschen schlicht unter — genauso wie gezielte Dips, die sich mit einem breiten Korb kaum ausnutzen lassen.

Ich wollte mehr. Nicht nur den Markt kaufen. Ich wollte besser sein als der Durchschnitt.

Das Handwerk: Von der Theorie zur Bilanzanalyse

Um dieses Ziel seriös zu verfolgen, musste ich Grahams Forderung nach „gründlicher Analyse" beim Wort nehmen. Also lernte ich, wie man eine Bilanz liest. Eine Gewinn-und-Verlust-Rechnung (GuV). Ein Cashflow-Statement. Trockener Stoff — aber wer hier durchbeißt, sieht Dinge, die andere übersehen.

Eine enorme Hilfe war dabei „Basiswissen Bilanzanalyse" von Bernd Heesen. Das Buch zeigt, wie man aus nüchternen Zahlenkolonnen echte Kennzahlen ableitet — und was sie wirklich bedeuten.

Heute verlasse ich mich nicht mehr auf Bauchgefühl oder YouTube-Hypes. Ich habe mir ein eigenes Analyse-Tool entwickelt, mit dem ich — sofern die Daten verfügbar sind — fundierte Einschätzungen erstelle. Diese Zahlen sind meine einzige Entscheidungsgrundlage. Die Wahrheit liegt in den Zahlen.


Und du?

u noch im Team „ETF & Chill" — oder juckt es dich auch, tiefer ins Zahlenwerk einzusteigen? Schreib mir in die Kommentare, wie dein Weg an der Börse begonnen hat.


Hinweis: Dies ist keine Anlageberatung, sondern eine journalistische Darstellung meiner persönlichen Meinung. Alle Kennzahlen wurden mit einem eigenen Tool auf Basis von Drittdaten (u. a. von Financecharts.com) erstellt. Ich halte ggf. Positionen in den besprochenen Werten (Interessenkonflikt). Für die Richtigkeit der Daten und Berechnungen wird keine Haftung übernommen. Bitte beachten Sie den vollständigen. Bitte beachten Sie den vollständigen Disclaimer, Risikohinweis & Impressum.