SCI Snapshot: Cryoport

Quasi-Monopol in der Zelltherapie-Lieferkette, über 400 Mio. USD Cash, ein Megatrend im Rücken – und trotzdem tiefrote operative Zahlen. Die Analyse zeigt, warum die Wende allein an einer Frage hängt: Wachsen die Kosten langsamer als der Umsatz?

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Cryport Fundamentalanalyse – Small Caps Investigator

Über 400 Mio. USD Cash, eine Eigenkapitalquote von rund 66 %, praktisch keine Nettoschulden – und ein gemeldeter Jahresgewinn 2025 von 78,3 Mio. USD [1][6]. Klingt nach einem kerngesunden Wachstumsunternehmen. Doch dieser Gewinn ist eine Fata Morgana. Er entstand fast vollständig aus dem einmaligen Verkauf der Kuriersparte CRYOPDP an DHL – nicht aus dem laufenden Geschäft. Rechnet man diesen Sondererlös heraus, schrieb Cryoport operativ rund 34 Mio. USD Verlust [1]. Die Bilanz bildet eine stabile Karosse. Jedoch hat der Motor die Betriebstemperatur noch nicht erreicht. Cryoport begleitet als temperaturgeführter Logistiker einen Großteil aller Zell- und Gentherapie-Studien weltweit – zum Jahresende 2025 waren es 760 Studien und 20 zugelassene Therapien [1]. Ein Quasi-Monopol. Die ganze Investmentgeschichte hängt an einer einzigen Frage: werden die teuer aufgebauten PS ausgelastet, bevor Reifen abgefahren sind?

SCI-Snapshot · Aktienanalyse
Cryoport, Inc.
ISIN US2290503075 · NASDAQ: CYRX · Pharma – Life Sciences – Cold-Chain-Logistik
Stand: 19. Juli 2026
„Die Wahrheit liegt in den Zahlen."
69/ 100
Zelltherapie, Quasi-Monopol, Skalierung: Megatrend?
Schuldenfreie Festungsbilanz (~66 % EK-Quote), ein Burggraben als Begleiter fast aller Zell- und Gentherapie-Studien und die anlaufende kommerzielle Skalierung tragen die These. Noch bisher defizitäres Kerngeschäft kostet drückt die enorme Upside.
| Schwelle 74%   Erreicht: 69%
Spekulativer High Growth
Small Cap · Zyklisch
Stammdaten
Marktkapital.0,78 Mrd. $
Enterprise Value0,56 Mrd. $
KGV / Fwd. KGV / KBVn/a / n/a / 1,6
EV / Umsatz~3,2
Ø Dividendenrendite0 %
Gründung1999
HauptsitzUSA, Brentwood
Mitarbeiter738
Kurs~16,51 $ / NASDAQ / 17.07.26
Quartalsbericht~4. August 2026
Aufwärtspotenzial & Analysten
Kursziel Ø
$ 15,61
Fair Value
$ 17,70
Aufwärtspotenzial
- 5,5 %
FV-Upside
+ 7,2 %
· · ·
8
Kaufen
1
Halten
0
Verkaufen
8 / 9 empfehlen Kaufen
Kursverlauf 10J.
0.00 42 83 USD 2016201820192021202320242026
Wachstumstreiber
Neue Supply-Chain-Zentren Paris (ab Q3 2026) und Santa Ana (Q4 2026)
Frisch gestartete Apherese-Sparte IntegriCell
MVE-Produktneuheiten (Fusion-800 ohne Flüssigstickstoff)
DHL-Partnerschaft als Vertriebshebel in Europa und Asien
Zulassungspipeline: 760 begleitete Studien, 21 kommerzielle Therapien.
Fundamentaldaten 2025
KennzahlØ 10J.Ø 5J.Ø 3J.Einh.
CAGR Basisdaten
Umsatzwachstum4517( 9 )% p.a.
Vermögen & Langfr. Finanzierung
Eigenkapitalquote675758%+
Anlagendeckung B358216202%+
Program Concentr. Risk1347%+
Liquidität & Cashflow
Liquidität Grad II958946591%+
Operating CF-Marge( 14 )( 3 )( 5 )%
Free CF-Marge( 29 )( 17 )( 22 )%
Liquiditätsreichweite734857817Faktor+
Cash Conv. Cycle85104118Tage
ÜB I - V Saldo000# < 0~+
Profitabilität & Ertragskraft
Umsatzrendite( 72 )( 56 )( 45 )%
ROIC( 86 )( 11 )( 15 )%
Eigenkapitalrendite( 39 )( 20 )( 17 )%
Brutto-Marge46,444,745,4%+
EBIT-Marge( 41 )( 22 )( 29 )%
EBITDA-Marge( 31,5 )( 9,9 )( 15,6 )%
Anlagenumschlag1,80,70,6Faktor
Aufwendungen & Verschuldung
Personalaufwand495260%+
Nettozinsquote( 7 )2,33,7%+
Dyn. Verschuldung100Jahre~+
Umsatz pro MA0,230,210,18Mio. $
SBC Quote21,69,510,8%
S&M Expense Ratio785764%
Substanzerhalt vs. Expansion
Anlagenintensität354244%
CapEx-Intensität14,214,517,1%
Akquisitionsintensität14,55,91,6Faktir+
F&E Quote1077%~+
✕ Schließen
SWOT-Highlights
Stärken
Schuldenfreie Festungsbilanz: über 400 Mio. USD Cash, ~66 % Eigenkapitalquote, netto mehr Geld als Schulden
Quasi-Monopol als Begleiter fast aller Zell- und Gentherapie-Studien, hohe Wechselkosten
Steigende Bruttomarge (47 % vs. 44 %), Wende sichtbar
Schwächen
Kerngeschäft operativ defizitär, bereinigtes EPS steht wie 2016
Hohe Kostenquote (SG&A ~68 %), schwache Kapitaleffizienz (Asset Turnover 0,67)
Operating Leverage unbewiesen: Q1 2026 wuchsen die Kosten (+22 %) schneller als der Umsatz (+16 %)
Chancen
Kommerzielle CGT-Rampe: jede zugelassene Therapie wird zu wiederkehrendem, margenstarkem Umsatz (+29 % auf 33 Mio. USD)
Ab dem Breakeven fällt fast die volle Bruttomarge durch
Neubewertung 2026–2028, wenn die Umsatz-Kosten-Schere sich öffnet
Risiken
Kern-Risiko: Läuft der Kostenapparat mit, verpufft der Hebel und der faire Wert fällt Richtung null
Biotech-Winter drückt die MVE-Nachfrage
Ein Kunde = 10,2 % Umsatz, Abhängigkeit von FDA/EMA
Bei ~16 USD ist der Base-Case bereits eingepreist

SCI Verdict

Das Fundament überzeugt: eine schuldenfreie Bilanz, ein echter Burggraben, eine Umkehr, die 2025 sichtbar begann. Die Bruttomarge stieg von 44,4 auf 47,1 %, das um Sondereffekte bereinigte EBITDA verbesserte sich von –17,8 auf –5,8 Mio. USD [1][2]. Aber: Das Kerngeschäft verdient noch kein Geld. Nach zehn Jahren, einer vervielfachten Umsatzbasis und einer teuren Übernahme steht das bereinigte Ergebnis je Aktie ungefähr dort, wo es 2016 war. Die Verwaltungs- und Vertriebskosten fressen rund 68 % des Umsatzes. Wer hier investiert, wettet nicht auf das Bestandsgeschäft. Er wettet darauf, dass die kommerzielle Zell- und Gentherapie-Welle den Apparat ab 2026/27 füllt.

Unternehmensprofil

Cryoport, Inc. (Nasdaq: CYRX), Hauptsitz Nashville, ist ein Hybrid mit rund 738 Mitarbeitern [8]. Zwei Standbeine. Das Servicegeschäft (Life Sciences Services, gut die Hälfte des Umsatzes) ist das Herz: temperaturgeführte Lieferketten, Kryo-Lagerung und -Konservierung für Zell- und Gentherapien. Hier sitzt der Burggraben – wer einmal in die validierte, streng regulierte Lieferkette einer zugelassenen Therapie eingebaut ist, wird kaum noch ausgetauscht. Das zweite Bein (Life Sciences Products) fertigt physische Ausrüstung: MVE-Kryotanks, Gefriersysteme, Transportbehälter. Dieses Produktgeschäft ist kapitalintensiv und zyklisch – es macht Cryoport zu einem halben Gerätehersteller, nicht zu einem reinen Dienstleister. 2025 wuchs der fortgeführte Umsatz um 12 % auf 176,2 Mio. USD [1].

Die Karosse

Cryoports Bilanz ist solide, mit Überrollbügel: über 400 Mio. USD an Cash und kurzfristigen Investments, eine Eigenkapitalquote von rund 66 %, netto mehr Geld als Schulden [6]. Der dynamische Verschuldungsgrad – die Frage, wie viele Jahre Cashflow eine Firma zur Tilgung ihrer Schulden bräuchte – liegt effektiv bei null, weil gar keine Nettoschuld existiert. Selbst die 186,2 Mio. USD Wandelanleihen, die im Dezember 2026 fällig werden, sind entschärft: Das Cash-Polster deckt sie mühelos, und weil der Aktienkurs weit unter dem Wandlungspreis liegt, droht keine Umwandlung in neue Aktien. Anders als bei manch wackligem Verlustbringer ist diese Fälligkeit hier ein Nicht-Thema.

Aber Vorsicht: Diese hohe Eigenkapitalquote ist gekauft, nicht verdient. Sie stammt aus Kapitalerhöhungen der Vergangenheit, während das Geschäft kumuliert dreistellige Millionenbeträge verbrannt hat. Das Polster schützt – aber es kommt aus der Tasche der Aktionäre, nicht aus Gewinnen.

Warum der Gewinn lügt

Kein Unternehmen zeigt schöner, warum man hinter die Schlagzeile schauen muss. Cryoports ausgewiesenes Ergebnis wird seit Jahren von einmaligen, nicht-operativen Sonderposten regiert – Effekten, die mit dem laufenden Geschäft nichts zu tun haben. 2021 verhagelte ein Verlust von 251,8 Mio. USD aus einer Anleihen-Refinanzierung das Ergebnis auf –6,18 USD je Aktie; operativ war das Jahr weit besser [5]. Wichtig zum Verständnis: Dieser Verlust war die Prämie, die Cryoport beim Rückkauf alter Wandelanleihen über deren Bilanzwert hinaus zahlte. Hier floss also durchaus Geld – nur eben im Finanzierungsteil und überkompensiert durch frisches Kapital aus neuen Anleihen und einer Aktienplatzierung, nicht im operativen Geschäft.

2023 und 2024 folgten zwei Abschreibungen auf den Firmenwert (Goodwill) der 2020 für 320 Mio. USD zugekauften Gerätesparte MVE – zusammen rund 113 Mio. USD, gut ein Drittel des Kaufpreises [5][2]. Übersetzt: Man hatte im Boom zu teuer eingekauft, und die Rechnungslegung erzwang die Korrektur, als der Biotech-Winter die Nachfrage einbrechen ließ. Bei diesen Abschreibungen floss – anders als beim Anleihen-Rückkauf 2021 – tatsächlich kein Cent ab; sie machten einen alten Verlust (zu viel bezahltes Geld) nur sichtbar.

Und 2025 kippte dasselbe Spiel ins Positive: Der Buchgewinn aus dem DHL-Verkauf zauberte den Jahresgewinn ins Plus [1][4]. Die Lehre: Bei Cryoport schreit das Ergebnis, während der Cashflow flüstert. Wer nur auf die Gewinnzeile starrt, versteht diese Aktie nie – weder ihre Katastrophenjahre noch ihr Wunderjahr.

Cryoport gab die margenschwache Kuriersparte CRYOPDP ab. DHL zahlte insgesamt rund 200 Mio. USD: 133,0 Mio. Kaufpreis plus 77,2 Mio. Rückzahlung konzerninterner Darlehen [3][4]. Wichtiger noch: Es entstand eine strategische Partnerschaft, die Cryoport Reichweite in Europa und Asien verschafft [3]. Dieser Schnitt schärfte das Profil auf den margenstarken Kern.

Die eigentliche Wette: wann erreicht das Gaspedal den Boden?

Warum ein Unternehmen kaufen, dessen Kerngeschäft noch Verlust schreibt? Wegen dem, was potenziell kommt. Cryoport hat über Jahre einen teuren Apparat gebaut – Lieferketten-Zentren in Paris und Santa Ana, Fertigungskapazität, Personal – für ein Geschäft, das erst noch kommen soll. Die Zahlen der Unterauslastung sind hart: Der Umsatz je Vermögens-Dollar (Anlagenumschlag) liegt bei mageren 0,7, die Kostenquote bei 68 %.

Doch die kommerzielle Zell- und Gentherapie-Welle nimmt Fahrt auf: Der Umsatz aus zugelassenen Therapien stieg 2025 um 29 % auf 33,4 Mio. USD [1]. Erste Belege für die Wende gibt es auch beim Cashflow. Im ersten Quartal 2026 stieg der Umsatz um 16 % auf 47,8 Mio. USD, und der operative Cashflow war mit 3,7 Mio. USD erstmals positiv [6]. Aber der Ausbau kostet weiter: Die Investitionen sprangen im Quartal auf 10,0 Mio. USD; der volle Ergebnishebel aus den neuen Zentren soll erst 2027 kommen [6]. Kurz: Die Wende hat begonnen – bewiesen ist sie noch nicht.

Qualitative Bewertung

Wettbewerbsposition – Note 2: Als Begleiter eines Großteils aller Zell- und Gentherapie-Studien ein Quasi-Monopol mit hohen Wechselkosten. Der stärkste Trumpf.

Markenbekanntheit – Note 2: Reines B2B-Geschäft. Bei Endkunden praktisch unsichtbar, in der Fachwelt etabliert.

Geografische Diversifikation – Note 2: Weltweit tätig, durch die DHL-Partnerschaft zusätzlich in Europa und Asien gestärkt.

Diversifikation Geschäftsfelder – Note 3: Zwei Standbeine, aber hohe Konzentration im Wachstumskern – ein einzelner Kunde stand 2025 für 10,2 % des Umsatzes [8], und der margenstarke kommerzielle Umsatz hängt an wenigen Blockbuster-Therapien.

Politische/regulatorische Risiken – Note 3: Abhängigkeit von Zulassungsbehörden (FDA, EMA) und von der Finanzierungslaune der Biotech-Branche, die das Geschäft zyklisch macht.

ESG-Risiken – Note 2: Als Ermöglicher lebensrettender Therapien gut positioniert, ohne auffällige Kontroversen.

Aufwärtspotenzial

Auf dem aktuellen Kursniveau von rund 16 USD [7] und bei etwa 50 Mio. Aktien liegt die Marktkapitalisierung bei ~785 Mio. USD. Zieht man das Cash ab und rechnet die Wandelanleihen hinzu, ergibt sich ein Unternehmenswert von grob 570 Mio. USD – rund das 3,2-Fache des Jahresumsatzes. Ein Kurs-Gewinn-Verhältnis lässt sich noch nicht bilden, weil das operative Geschäft Verlust schreibt. Die spannendere Frage ist der faire Wert.

Ein von Grund auf gebautes DCF-Modell – segmentweise, mit der kommerziellen Zell- und Gentherapie als Wachstumsmotor – zeigt eine ungewöhnlich weite Spanne, und das ist die eigentliche Geschichte. Im Bear-Case (die Kostendisziplin scheitert) kollabiert der faire Wert Richtung null. Im Base-Case (der Megatrend greift, die Kosten bleiben halbwegs im Zaum) liegt er bei rund 19 USD – praktisch auf dem Analystenkonsens und knapp über dem heutigen Kurs. Im Bull-Case (Megatrend plus strikte Kostendisziplin) klettert er auf rund 52 USD.

Was steckt dahinter? Der gesamte Wertunterschied – von null bis 52 USD – hängt an einer einzigen Frage: Wächst der Umsatz schneller als die Kosten? Cryoport hat einen teuren, weitgehend fixen Apparat gebaut. Bleibt dieser Kostenblock stabil, während der Umsatz mit dem CGT-Boom steigt, dann fällt ab dem Breakeven (im Base-Case rund 2030) fast die volle Bruttomarge jedes zusätzlichen Umsatz-Dollars in den Gewinn – der Punkt, an dem Wachstum sich in Profitabilität verwandelt. Läuft der Apparat dagegen mit, verpufft der Hebel. Cryoport ist damit keine Umsatz-Wette, sondern eine Kostendisziplin-Wette.

Und hier liegt der entscheidende Punkt für den Zeithorizont: Du musst nicht bis 2030 warten, um zu wissen, welcher Fall eintritt. Der Markt preist den Bull-Case ein, sobald er davon überzeugt ist – nicht erst, wenn der Gewinn tatsächlich anfällt. Das entscheidende Signal kommt 2026/27: Zeigt Cryoport zwei, drei Quartale in Folge, dass sich die Schere zwischen Umsatz- und Kostenwachstum öffnet, extrapoliert der Markt den Rest und bewertet die Aktie sprunghaft neu. Das Fenster der Neubewertung ist also 2026 bis 2028, nicht das ferne 2035. Ein erster Prüfstein ist das für die zweite Jahreshälfte 2026 in Aussicht gestellte positive bereinigte EBITDA [9]. Noch einmal verdeutlicht wird das Ganze dadurch, dass die Analysten mehrheitlich zum Kauf empfehlen, obwohl der aktuelle Kurs bereits über dem derzeitigen Kursziel liegt – es wird wohl eine weitere Aufwärtsbewegung erwartet.

Ehrlich eingeordnet – und in beide Richtungen: Bei 16 USD kaufst du den Base-Case, also die Erwartung, dass der Hebel zündet. Die Upside Richtung 52 USD bekommst du obendrauf, wenn die Disziplin strikt bleibt und der Megatrend voll liefert. Das Risiko trägst du, wenn die Kosten dem Umsatz davonlaufen – und genau das taten sie in Q1 2026, als die Betriebskosten um 22 % stiegen, der Umsatz aber nur um 16 % [6]. Das ist der Bauphase geschuldet, aber es heißt klar: Der Hebel ist bislang ein Versprechen, kein Befund. Nach unten schützt immerhin die Bilanz – über 400 Mio. USD Cash decken einen Großteil des Börsenwerts.

Für welchen Anlegertyp? Cryoport passt zum überzeugten, geduldigen Langfrist-Anleger, der die Kostendisziplin-These teilt und die Nervenstärke für die weite Ergebnisspanne mitbringt. Wer den Bull-Case für plausibel hält, muss vor dem Beweis positioniert sein – denn im Moment des Beweises springt der Kurs, und der günstige Einstieg ist weg. Wer sicherer gehen will, wartet auf die Bestätigung in H2 2026/2027, zahlt dann aber mehr. Sinnvolle Haltedauer: mehrjährig, mit einer einzigen Kennzahl als Kompass – wächst der Umsatz schneller als die Kosten?

Damit zur Eingangsfrage: Die starke Cash-Position schützt nach unten, der Megatrend füllt den Apparat, und die Neubewertung liegt nicht in ferner Zukunft, sondern unter aller Voraussicht nach in den kommenden zwei, drei Quartalsberichten. Öffnet sich die Umsatz-Kosten-Schere, ist der Weg Richtung 50 USD frei – schließt sie sich nicht, droht der Rückweg zum Cash-Boden. Die PS sind angelegt. Ob Cryoport rechtzeitig den Boxenstopp schafft um neues Profil aufzuziehen, entscheidet sich jetzt.


„Bei Cryoport ist die Gewinnzeile ein Bauchredner: Sie bewegt die Lippen, aber gesprochen wird woanders.“
Fundamentalanalysen Small Caps Investigator

Anmerkungen

Umsatzwachstum (~): Zwar zeigt der Trend über die Durchschnittsperioden abwärts, aber der fortgeführte Umsatz stieg 2025 um 12 % auf 176,2 Mio., breit getragen — kommerzielle CGT +29 % auf 33,4 Mio., Services zweistellig, MVE stabilisiert. Wichtig: Der Mehrjahresvergleich hinkt über den CRYOPDP-Schnitt (2023/24 mit, 2025 ohne) — wer die alte Gesamtbasis gegen die neue fortgeführte stellt, mischt zwei Unternehmen. Zudem lässt die Corona-/Biotech-Hochphase 2021/2022 die jüngeren Jahre unverhältnismäßig schlecht aussehen.

EPS-Wachstum: Hier nicht bewertet. Das EPS ist bei Cryoport ein unzuverlässiges Signal: 2021 vom Wandelanleihen-Ablöseverlust (–6,18 USD/Aktie) zerstört, 2025 vom DHL-Buchgewinn ins Positive gehoben (+1,40 USD gemeldet, aber –0,84 fortgeführt) — beide nicht-operativ. Der Mehrjahrestrend ist damit ein Artefakt des Rein- und Rauswanderns dieser Sonderjahre, kein operatives Signal. Selbst das fortgeführte, um das Impairment bereinigte EPS (–0,88 / –1,00 / –0,84 für 2023–2025) zeigt keinen erkennbaren Trend — es tritt auf der Stelle.

Liquidität Grad II / Quick Ratio (+): Abwärtstrend, aber auf extremem Niveau. Massiv vom Cash-Berg getragen: über 400 Mio. Cash und STI, netto schuldenfrei. Die 186 Mio. Wandelanleihen (fällig Dez. 2026) sind locker gedeckt.

Operating Cashflow Margin (~): In den letzten drei bis fünf Jahren tritt die OCF-Marge auf der Stelle, allerdings verglichen mit den Jahren davor (10J.∅) eine deutliche Verbesserung. Lichtblick: Q1 2026 drehte der operative Cashflow erstmals ins Positive (+3,7 Mio.), bleibt die Frage ob es bis Jahresende so bleibt.

Free Cashflow Marge (~): Die FCF-Marge ist durchgehend negativ, und die optische Besserung gegenüber 2016/17 ist ein reiner Größeneffekt (damals winziger Umsatz-Nenner), keine Effizienzverbesserung — die CapEx wuchsen mit dem Umsatz mit (nahezu konstante CapEx-Intensität). Der negative FCF ist investiv gewollt: 2023 der CapEx-Gipfel, Q1 2026 erneut 10,0 Mio. für den Auf-/Ausbau der Zentren (Paris, Santa Ana) — Wachstums-CapEx, kein operativer Substanzverlust. Getragen wird das mühelos von der Cash-Festung (über 400 Mio., netto schuldenfrei), sodass der negative FCF halbwegs ungefährlich scheint.

Cash Conversion Cycle / CCC (–): Hoher CCC (~114 Tage) aus der Hybrid-Natur: langes Debitorenziel (Großpharma zahlt vermutlich spät), hohe Vorräte (MVE-Produktgeschäft), ungenutzte Lieferantenkredite.

Umsatzrendite (~): Fortgeführt tiefrot: 2023 –50 %, 2024 –67 %, 2025 –19 % — dominiert von den Goodwill-Abschreibungen (49,6 bzw. 63,8 Mio.). 2025 ist das positive Net Income (+78,3 Mio.) eine DHL-Fata-Morgana; doch auch nach Bereinigung ist ein Trend hin zu immer geringeren Verlusten erkennbar.

ROIC (~): Der Standard-ROIC ist bei negativem NOPAT und ereignisgetriebener Kapitalbasis (Impairments, CRYOPDP-Verkauf, Cash-Bewegungen) schwer interpretierbar — Beobachtet man die letzten drei Jahre, zeigt der ROIC fälschlicherweise Stillstand. Bereinigt (EBIT fortgeführt ex-Impairment ÷ operatives Kapital ohne Cash, CRYOPDP und Goodwill) wird die Reihe lesbarer:
–16,6 %/2023 → –17,9 %/2024 → –11,1 %/2025 — Tal 2024, klare Wende 2025 wenngleich weit negativ, deckungsgleich mit der EBIT-Margen-Linie.

Brutto-Marge (+): 47,1 % in 2025, von 44,4 % (2024) — solide und steigend durch Mix-Verschiebung zum margenstärkeren CGT. Cash-neutral, echte Stärke. Aber: nicht hoch genug, um den 68-%-Kostenapparat zu tragen — deshalb ist Cryoports Wende ein EBIT-Thema (Fixkosten), kein Bruttomargen-Thema.

EBITDA-Marge (~): Ex-Impairment oder Adjusted verwenden — die rohe Marge lässt 2024 (–63 %) wie einen Absturz aussehen, der nur die Goodwill-Abschreibung ist. Ex-Impairment: –18 % → –22 % → –7 % (2023/2024/2025); Auf EBITDA-Ebene ist eine Wende erkennbar.

EBIT-Marge (~): Ex-Impairment: –30 % (2023) → –37 % (2024) → –21 % (2025). Tiefrot, weil ein fixer Apparat (OpEx 75–81 % vom Umsatz) auf zu kleiner Umsatzbasis mit mittlerer Bruttomarge (44–47 %) lastet. 2025 der erste Hinweis auf eine Wende: SG&A fiel, während der Umsatz stieg.

Asset Turnover (~): auf reines PP&E gerechnet ~2,06 (überzeichnet, blendet MVE-Immaterielle aus); sauber als Anlagenumschlag (PP&E + Immaterielle ohne Goodwill) ~0,67. Derzeit noch niedrig, allerdings eine Verbesserung zu 2023/2024 (0,54/0,51).

Stock Based Compensation (~): ~10 Mio. (2025), gesunken von 16,6 Mio. (2024) — Trend der letzten drei Jahre abwärts, gut. Cash-neutral, aber ein realer, verwässernder Aufwand.

Sales & Marketing Expense Ratio (~): Richtung stimmt (SG&A fiel 2025), aber das Niveau ist nach wie vor hoch. Cryoport weist SG&A kombiniert aus (102,8 Mio. = 58 % vom Umsatz); mit F&E zusammen 119,9 Mio. = 68 % Betriebskostenquote — der direkteste Beleg des unausgelasteten Apparats.

CapEx-Intensität (~): Über das Jahrzehnt hoch, aber gewollt und verhältnismäßig risikoarm — es handelt sich um Expansions-CapEx (Ausbau des Lieferketten-Netzwerks), nicht um Erhaltungsaufwand. Dahinter steht eine einzige, mehrjährige Ausbaureihe für Standorte in den USA, Belgien und Frankreich, die sich vom Investitionsgipfel 2023 (38,8 Mio.) über 2024 (17,3 Mio.) und 2025 (16,4 Mio.) bis 2026 zieht. Der Großteil ist damit vermutlich bereits investiert: Das Pariser Zentrum ging im November 2025 in Betrieb, mit Santa Ana (USA) folgt Ende 2026 der letzte Baustein. Die 10,0 Mio. in Q1 2026 dürften die Schlussphase dieses Ausbaus markieren; danach sollte die CapEx-Last abebben. Entsprechend ist die FCF-Entlastung ab 2027 zu erwarten.

Begriffe unklar?

Quellenverzeichnis

[1] Cryoport, Inc. (2026). Cryoport Reports Fourth Quarter and Full-Year 2025 Financial Results. Verfügbar unter: https://ir.cryoportinc.com/news-events/press-releases/detail/406/cryoport-reports-fourth-quarter-and-full-year-2025-financial-results [Abruf am 13.07.2026].

[2] Cryoport, Inc. (2025). Cryoport Reports Fourth Quarter and Full Year 2024 Financial Results (Form 8-K, Exhibit 99.1). Verfügbar unter: https://www.sec.gov/Archives/edgar/data/1124524/000110465925020404/tm258273d1_ex99-1.htm [Abruf am 13.07.2026].

[3] Cryoport, Inc. / PR Newswire. (2025). Cryoport Completes CRYOPDP Divestiture and Commences Strategic Partnership with DHL Group. Verfügbar unter: https://www.prnewswire.com/news-releases/cryoport-completes-cryopdp-divestiture-and-commences-strategic-partnership-with-dhl-group-302480137.html [Abruf am 13.07.2026].

[4] Cryoport, Inc. (2025). Form 8-K, Exhibit 99.1 – CRYOPDP Divestiture (Note 5, Discontinued Operations). Verfügbar unter: https://www.sec.gov/Archives/edgar/data/1124524/000155837025008613/cyrx-20250611xex99d1.htm [Abruf am 13.07.2026].

[5] Cryoport, Inc. (2024). Annual Report (Form 10-K) for the year ended December 31, 2023 – Consolidated Statements of Operations and Cash Flows. Verfügbar unter: https://www.sec.gov/Archives/edgar/data/0001124524/000155837024003128/Financial_Report.xlsx [Abruf am 13.07.2026].

[6] Cryoport, Inc. (2026). Quarterly Report (Form 10-Q) for the quarter ended March 31, 2026. Verfügbar unter: https://www.stocktitan.net/sec-filings/CYRX/10-q-cryoport-inc-quarterly-earnings-report-e411626f049f.html [Abruf am 13.07.2026].

[7] Yahoo Finance. (2026). Cryoport, Inc. (CYRX) – Stock Price, Quote & History. Verfügbar unter: https://finance.yahoo.com/quote/CYRX/ [Abruf am 13.07.2026].

[8] Cryoport, Inc. (2026). Annual Report on Form 10-K for the year ended December 31, 2025 (Human Capital; Kundenkonzentration; MVE-Übernahme). Verfügbar unter: https://www.sec.gov/Archives/edgar/data/0001124524/000114036126016133/ny20065577x3_ars.pdf [Abruf am 13.07.2026].

[9] Cryoport, Inc. (2026). Cryoport Reports First Quarter 2026 Financial Results (Umsatz +16 %, 2026-Guidance 192–196 Mio. USD, positives bereinigtes EBITDA in H2 2026, 766 Studien / 21 Therapien). Verfügbar unter: https://www.stocktitan.net/news/CYRX/cryoport-reports-first-quarter-2026-financial-sl7gbp19hsw5.html [Abruf am 13.07.2026].

[10] Simply Wall St / Yahoo Finance. (2026). Cryoport (CYRX) Stock Fair Value Rises After Analysts Revisit Bioservices Outlook (Analysten-Kursziele, u. a. Craig-Hallum 20 USD, KeyBanc 17 USD; Kaufempfehlungen). Verfügbar unter: https://finance.yahoo.com/markets/stocks/articles/cryoport-cyrx-stock-fair-value-121105049.html [Abruf am 13.07.2026].