SCI Snapshot: Seeing Machines — Geniale Technik, tickende Uhr.

Ab Juli 2026 ist die Software EU-Pflicht. 4,8 Mio. Autos laufen bereits, die Royalties boomen (+43 %). Dennoch steht die Aktie am Tief: 3,4 Mio. USD Cash treffen auf eine im Oktober fällige Wandelanleihe. Die Wette lautet nicht „Funktioniert das?“, sondern „Überlebt die Firma ihren eigenen Erfolg?“

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Seeing Machines Fundamentalanalyse – Small Caps Investigator

Eine Technologie, die ab dem 7. Juli 2026 per EU-Gesetz in jeden neuen Wagen gehört. Über 4,8 Mio. Autos, die bereits damit fahren. Royalties, die um 33 % klettern. Und trotzdem: eine Aktie nahe ihrer Tiefs, eine Kasse von nur 3,4 Mio. USD — und im Hintergrund eine Uhr, die unbarmherzig auf Oktober 2026 zuläuft [1]. Bei Seeing Machines ist nicht die Technik das Problem. Es klemmt an der Finanzierung. Der Markt bepreist nicht die Frage „Funktioniert das?", sondern „Übersteht das Unternehmen seinen eigenen Erfolg, bevor das Geld ausgeht?" Genau diese Lücke zwischen Technologie-Erfolg und Investment-Erfolg macht die Aktie fast schon zu einem spannenden Wirtschaftskrimi.

SCI-Snapshot · Aktienanalyse
Seeing Machines Ltd.
ISIN AU0000XINAJ0 · LSE: SEE · SaaS - Automotive
Stand: 28. Juni 2026
„Die Wahrheit liegt in den Zahlen."
64/ 100
SCI-Score: Top Software-Hebel trifft harten Cash-Mangel.
Starke Unit-Economics durch reine Software-Royalties, massive operative Hebelwirkung durch den gesetzlichen EU-GSR-Massen-Rollout ab Juli 2026. Akuter Refinanzierungs-Druck der Wandelanleihe und historischer Cash-Burn kosten Punkte.
| Schwelle 74%   Erreicht: 64%
Growth / Spekulativ
Micro Cap · Zyklisch
Stammdaten
Marktkapital.0,4 Mrd. $
Enterprise Value0,36 Mrd. $
KGV / Fwd. KGV / KBV< 0 / 12,4 / 14,4
EV / EBIT< 0
EV / FCF< 0
Ø Dividendenrendite0 %
Gründung2000
HauptsitzAustralien, Canberra
Mitarbeiter399
Kurs~0,058 $ / LSE / 26.06.26
Quartalsbericht~Ende Juli 2026
Aufwärtspotenzial & Analysten
Kursziel Ø
$ 0,10
Fair Value
 n/a
Aufwärtspotenzial
+ 127 %
FV-Upside
n/a
· · ·
3
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Kursverlauf 10J.
0.00 0.10 0.19 USD 2016201820192021202320242026
Wachstumstreiber
GSR-Verordnung macht Auto-Zwang zum Wachstumsmotor — Regulierung liefert ab jetzt ~100 % Bruttomarge
Ford BlueCruise-Ausweitung und Caterpillar zünden Volumen-Hebel — Bestandsdeals sichern ab jetzt das Wachstum
GSR-Schutzschild für Automärkte in Europa — Einbaupflicht ab H2 2026 zementiert die starke Marktposition
Skalen-Hebel durch > 4 Mio. Bestandsautos — Amortisierte Software lässt Neu-Deal-Margen explodieren
Fundamentaldaten 2025
KennzahlØ 10J.Ø 5J.Ø 3J.Einh.
CAGR Basisdaten
Umsatzwachstum201917% p.a.+
Vermögen & Langfr. Finanzierung
Inv. Capital Turnover1,71,71,2Faktor+
Eigenkapitalquote695746%+
Program Conc. Risk44 %+
Liquidität & Cashflow
Liquidität Grad II443306229%+
Operating CF-Marge( 59 )( 23 )( 15 )%
Free CF-Marge( 83 )( 59 )( 51 )%
DPAO222840Tage
Cash Burn Reichweite320757668Tage+
ÜB I - V Saldo111# < 0~+
Profitabilität & Ertragskraft
Operative Nettomarge( 72 )( 36 )( 31 )%
ROIC( 135 )( 65 )( 35 )%
Brutto-Marge415053%
EBIT-Marge( 84 )( 37 )( 32 )%
Backlog / Sales Ratio6,3+
Aufwendungen & Verschuldung
Personalaufwand1037365%
Nettozinsquote< 0< 0< 0Faktor
Langfr. Verschuldung11,519,427,5%
SBC Quote852%+
Substanzerhalt vs. Expansion
Anlagenintensität253547%
F&E Quote796253%
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SWOT-Highlights
Stärken
Dominantes Nischengeschäft mit > 4,8 Mio. Autos auf den Straßen und etabliertem Ökosystem sichert Führung
Skalierbares Lizenzmodell liefert reinen Software-Umsatz, während die Royalty-Sparte Margen von ~100 % generiert
Technologischer Ritterschlag 2024: £26 Mio. Finanz-Injektion von Mitsubishi stärkt Marktpräsenz in Asien
Schwächen
Der enorme operative Cash-Burn der Entwicklungsphase zehrt Cash auf und verschiebt positiven FCF auf Ende FY26
Historischer Zielkonflikt zwischen aggressivem Wachstum bei Design Wins und dem Weg zur Profitabilität
Chancen
Automotive-Royalties als margenstarkes Wachstum (+33 %, steigender Anteil)
EU-GSR-Verordnung erweitert die Kamera-Nutzung verpflichtend auf alle Pkw
Mitsubishi-Volumen stützt voraussichtlich ab 2028/2029 das EPS
Re-Rating, falls der Markt den operativen Breakeven einpreist
Risiken
Marternde Wandelanleihe fällig in Oktober 2026 droht mit Liquiditätsengpass und Verwässerung
DMS-Plattform-Strukturrisiko durch Smart Eye: erbitterter Preiskampf bedroht die Core-Früchte
Träger OEM-Volumen-Ramp-up bremst Lizenz-Einnahmen

SCI Verdict

Seeing Machines (LSE: SEE) ist der führende Anbieter kamerabasierter Fahrerüberwachung — am regulatorischen Wendepunkt seiner Branche. Die Substanz ist real: ein über ein Jahrzehnt aufgebauter Technologie-Vorsprung, 18 Programme bei 11 OEM-Kunden (neun davon bereits in Produktion) [1][8], eine Bruttomarge, die auf 63 % gesprungen ist [1], und ein Programm-Auftragswert von über 400 Mio. USD [9]. Aber: Das Unternehmen ist noch nicht profitabel, verbrennt Geld, und eine Wandelanleihe über rund 51 Mio. USD wird im Oktober 2026 fällig — gegen eine fast leere Kasse. Wer hier investiert, wettet nicht auf die Technik, sondern darauf, dass SEE die Finanzierungshürde nimmt, ohne die Altaktionäre stark zu verwässern.

Unternehmensprofil

Seeing Machines, gegründet 2000 in Australien, entwickelt KI-Systeme, die per Infrarotkamera Blick und Wachheit des Fahrers in Echtzeit auswerten. Das Geschäft hat zwei Säulen. Im OEM-Segment lizenziert SEE seine Software über Tier-1-Zulieferer (etwa Magna) an Autohersteller und kassiert eine Royalty pro Fahrzeug — hochmargig und wiederkehrend; Fords BlueCruise setzt auf kamerabasierte Fahrerüberwachung, die Branchenberichten zufolge auf SEE-Technologie basiert [7][5]. Im Aftermarket verkauft SEE das Guardian-System samt Überwachungsdienst zum Nachrüsten in Lkw-Flotten.

Die Wette, die fast gewonnen ist

Der Rückenwind ist gesetzlich verankert. Die EU-Sicherheitsverordnung (GSR) schreibt kamerabasierte Ablenkungswarnung (ADDW) ab dem 7. Juli 2026 für alle neuen Fahrzeuge vor [4]. Wichtig: Pflicht ist die Funktion, nicht SEE — das Unternehmen muss den Markt für sich gewinnen. Aber es ist exzellent positioniert: über 4,8 Mio. Fahrzeuge fahren bereits mit der Technik, ein Plus von 67 % [3], die Royalties wachsen zweistellig. Und genau jetzt schaltet die Pflicht von „nur neue Modelle" auf „alle Neuwagen" — der Mengenhebel, auf den SEE seit Jahren hinarbeitet.

Warum die Kennzahlen täuschen

Klassische Kennzahlen führen bei SEE in die Irre. Das Ergebnis je Aktie (EPS) klebt nahe null — was für ein unprofitables Unternehmen harmlos aussieht, aber nur an der gigantischen Aktienzahl von rund 4,8 Mrd. Stück liegt: Ein Verlust von 25,3 Mio. USD, verteilt auf fast fünf Milliarden Aktien, ergibt eben nur einen Bruchteil eines Pence [1]. Und die Aktienzahl wächst — rund 19 % allein im letzten Jahr.

Auch die Bilanz täuscht: Die Eigenkapitalquote von ~33 % wirkt solide, doch das Eigenkapital besteht fast vollständig aus aktivierten Entwicklungskosten — kapitalisierten Ingenieursgehältern, deren Wert allein an der Fortführung der OEM-Programme hängt [1]. Belastbar positiv ist dagegen die Bruttomarge: Sie sprang von 47 % auf 63 %, getrieben vom Mix-Shift zu margenstarken Royalties.

Oktober 2026: Der Showdown

2022 gab der Zulieferer Magna 47,5 Mio. USD über eine Wandelanleihe — kein normaler Kredit, sondern strategisches Kapital, mit dem sich einer der größten Autozulieferer der Welt Zugang zu SEEs Technik sicherte. Eine Bank hätte dem damals verlustträchtigen Unternehmen das Geld in dieser Form nie gegeben.

Doch jetzt läuft die Uhr ab. Am 4. Oktober 2026 wird die Anleihe fällig, inzwischen durch auflaufende Effektivzinsen auf rund 51 bis 54 Mio. USD angewachsen [1]. Dem gegenüber stehen: schmale 3,4 Mio. USD in der Kasse (Stichtag 31.12.2025) [3]. Zwar erhielt SEE Anfang 2026 eine einmalige, vorgezogene Meilenstein-Lizenzzahlung von 14,1 Mio. USD [3], aber aus eigener Kraft kann SEE die Anleihe nicht cash zurückzahlen. Damit beginnt ein Rätsel, dessen Ausgang heute niemand genau kennt:

Wandelt Magna die Schuld in Aktien um? Das ginge — aber nur, wenn der Kurs rechtzeitig vor Ablauf über den vertraglich fixierten Wandlungspreis von 9,95 Pence steigt. Er notiert aktuell jedoch rund halb so hoch. Beim heutigen Stand hat Magna wirtschaftlich keinen Grund zu wandeln und bestünde lieber auf seinem Rückzahlungsanspruch.

Übernimmt Magna die Kontrolle? Ein Vertrag deckelt Magnas Anteil heute bei 9,99 % — bewusst unter der Kontrollschwelle. Die gedeckelte Struktur spricht eher für einen strategischen Minderheitspartner als für Kontroll-Ehrgeiz. Ausgeschlossen ist ein strategisches Nachverhandeln auf den letzten Metern jedoch nicht.

Springt eine klassische Bank ein? Ein unbesicherter Standard-Kredit ist ausgeschlossen. Klassische Banken verleihen Geld nur gegen harte Sicherheiten und stabilen Cashflow. Das größte Bilanz-„Vermögen" von SEE sind aktivierte Entwicklungskosten — ein Posten ohne eigenen Veräußerungswert, der einer Bank nicht als Sicherheit dient.

Die realistische Brücke: Asset-Backed Lending und Spezial-Debt. Denkbar ist eine strukturierte Kreditlinie (Debt Facility) bei spezialisierten Tech-Kreditgebern (Venture Debt) oder Banken, die sich auf wiederkehrende Software-Einnahmen fokussieren. Die Sicherheiten sind hier keine Fabrikhallen, sondern die durch den im Juli 2026 greifenden EU-GSR-Stichtag vertraglich garantierten, wiederkehrenden Software-Lizenzgebühren (Royalties) aus den „Design Wins" mit den Autoherstellern. Banken verpfänden in solchen Fällen die zukünftigen Lizenzeinnahmen. Wenn SEE die Raten nicht zahlt, gehen die Rechte an den Verträgen mit Ford & Co. an die Geldgeber über. Das lassen sich diese Institute allerdings mit knackigen Zinsen bezahlen.

Der schlimmste Fall für Altaktionäre wäre eine Not-Ausgabe neuer Aktien zur Tilgung, was zu einer massiven Verwässerung auf diesem niedrigen Kursniveau führen würde. Ein echter Totalausfall ist dagegen unwahrscheinlich: Auch Magna will sein Geld sehen, keine Pleite der Firma, deren Technologie sie in ihre Spiegel verbauen. SEE arbeitet fieberhaft an der Lösung und will sie bis Ende des Geschäftsjahres abschließen [3]. Welche Tür sich öffnet, entscheidet, wie teuer die Rettung wird — und wer am Ende die Rechnung zahlt.

Qualitative Bewertung

Wettbewerbssituation — Note 2: Echter Technologie-Burggraben aus über einem Jahrzehnt Automotive-Validierung und einer großen Verhaltensdatenbank; Nach eigenen Angaben hält SEE über 50 % der aktuellen DMS/OMS-Produktionsvolumina [2] — gestützt auf jahrelange Validierung und langjährige OEM-/Tier-1-Beziehungen. Aber kein Monopol — Smart Eye, Tobii und OEM-Eigenlösungen drängen in denselben GSR-Pflichtmarkt und drücken perspektivisch die Royalty-Raten.

Markenbekanntheit — Note 3: In der Automotive-Zulieferkette und bei OEMs etabliert, technisch referenziert (Ford BlueCruise) [5][7]. Aber: Endkunden sehen die Marke nie — SEE liefert unsichtbar hinter Tier-1-Kanälen. Bei Privatanlegern eher als Spekulations-Story präsent denn als Qualitätsmarke.

Geografische Diversifikation — Note 3: Fahrzeuge weltweit auf der Straße, aber der Pflicht-getriebene Umsatz konzentriert sich heute auf die EU/EWR (GSR). Andere Märkte (USA, Japan, China, Korea, Australien) sind noch Zukunftsoptionalität, kein laufender Umsatz — also regulatorisches Klumpenrisiko im EU-Raum.

Diversifikation Geschäftsfelder — Note 4: Zwei Standbeine (OEM-Royalty, Aftermarket/Guardian), aber beide hängen an derselben Kerntechnologie (Fahrerüberwachung) und am selben regulatorischen Treiber. Neue Vektoren (OMS/3D Cabin Perception, Aviation, spekulativ Robotik) sind angekündigt, aber umsatzseitig noch unbedeutend. Faktisch eine Technologie, zwei Vertriebskanäle — wenig echte Diversifikation.

Politische bzw. regulatorische Risiken — Note 2: Hier zweischneidig, aber überwiegend Rückenwind: Die EU-GSR/ADDW-Pflicht ab 7. Juli 2026 schafft die Nachfrage [4] — ein seltener Fall, in dem Regulierung das Geschäftsmodell trägt statt bedroht. Risiko: Die Pflicht ist technologieneutral (kein Selbstläufer für SEE), und außerhalb der EU fehlt der Mandats-Hebel noch.

Finanzierungs- bzw. Governance-Risiken — Note 5: Das zentrale Risiko. Anleihe-Fälligkeit (Oktober 2026), Cash-Burn und Verwässerungsgefahr fallen zusammen; Schon der Vorjahresabschluss trug einen ausdrücklichen Prüfer-Hinweis auf eine wesentliche Unsicherheit zur Unternehmensfortführung; bei auf 3,4 Mio. USD geschrumpfter Kasse und der fälligen Anleihe bleibt das Thema akut. [1].

Aufwärtspotenzial — der Haken mit der Verwässerung

Auf rund 4,7 p bringt SEE es auf eine Marktkapitalisierung von ~225 Mio. GBP — bei noch negativem Ergebnis lässt sich kein KGV bilden, der Markt bepreist hier reine Zukunft. Der Wandlungspreis von 9,95 p liegt mehr als doppelt so hoch wie der aktuelle Kurs: Der Markt traut SEE die saubere Lösung also nicht zu.

Das große De-Rating ist gelaufen. Die Aktie notiert nahe ihrer Mehrjahrestiefs, obwohl die operativen Zahlen drehen — Royalties zweistellig im Plus, Bruttomarge auf 63 % [1]. Der Markt hat das Premium gestrichen, weil er zweifelt, dass SEE die Anleihen-Fälligkeit im Oktober 2026 ohne schmerzhafte Verwässerung übersteht.

Hier liegt der eigentliche Hebel — und er ist zweischneidig. SEEs Geschäft hat einen starken operativen Hebel: Die Software ist entwickelt und bezahlt, die Kameras sind verbaut. Jedes zusätzliche Auto, das per GSR-Pflicht eine Lizenz braucht, spült margenstarke Royalty in die Kasse, ohne dass die Kosten im gleichen Maß mitwachsen. Kippt das Unternehmen von Verlust in Gewinn, kann der Ergebnissprung deshalb überproportional ausfallen. Und sollte der Markt SEE dann nicht mehr als projektgetriebenen Zulieferer (einstellige Multiples) bewerten, sondern als skalierbares Lizenzgeschäft, käme ein höheres Bewertungsmultiple obendrauf — der zweite Hebel.

Aber beide Hebel sind Bedingungen, keine Selbstläufer: Der Gewinnhebel zündet nur, wenn die Royalty-Volumina den Wettbewerbsdruck auf die Raten (Smart Eye, Tobii) überwiegen; das Re-Rating kommt nur, wenn SEE die Finanzierung übersteht und die Skalierung über die EU hinaus gelingt. Und ob es überhaupt zur Verwässerung kommt, ist offen: Gelingt die Refinanzierung über Fremdkapital oder wandelt Magna bei steigendem Kurs, bleiben Altaktionäre unverwässert — muss SEE dagegen zur Tilgung Aktien ausgeben, drückt das den Hebel anteilig wieder.

In Kurszahlen heißt das, ausgehend von rund 4,7 p (illustrative Szenarien, keine Prognose):

  • Schwacher Fall — operative Wende stockt oder Refinanzierung erzwingt starke Verwässerung: ~4–5 p, praktisch seitwärts.
  • Mittlerer Fall — Wende greift, Refinanzierung gelingt geordnet: ~6–7 p, rund 40 % höher.
  • Starker Fall — Royalty-Hochlauf plus verwässerungsarme Lösung und beginnendes Re-Rating: ~8–9 p, fast eine Verdopplung.

Diese Spannen unterstellen, dass SEE als skalierendes Lizenzgeschäft anerkannt zu werden beginnt. Die von manchen genannten 15 oder 30 p liegen darüber — sie erfordern nicht nur die Wende, sondern die volle Transformation zum Plattform-Bewertungsniveau (Multiple 20 x und mehr) und damit Jahre fehlerfreier Skalierung über die EU hinaus. Als Basisszenario taugt das nicht, als Fernziel-Optionalität schon.

Halten wir fest: Billig wirkt die Aktie nur optisch — der tiefe Kurs ist ein verdienter Risikoabschlag für die ungelöste Finanzierung. Der Katalysator ist zweiteilig: Das operative Momentum muss vor Sommer 2026 liefern (EBITDA-Wende, GSR-Hochlauf), und die Refinanzierung muss stehen — idealerweise verwässerungsarm. Zündet beides, kann der operative Hebel den Kurs deutlich tragen; misslingt es, drohen Verwässerung und weiterer Druck. Nächster Prüfstein: der GSR-Stichtag am 7. Juli 2026 und die folgenden Quartals-Royaltyzahlen.

Hinweis: Die Handelbarkeit der Aktie ist eingeschränkt. Heißt: man kann sie nicht so leicht kaufen und verkaufen, wie eine Amazon. Zudem ist der Spread zwischen Geld- und Briefkurs extrem — achte darauf, ein Limit zu setzen. Am einfachsten vermutlich an der gelisteten Börse, in dem Fall die London Stock Exchange.


„Die Kamera sieht alles — nur nicht, ob das Geld reicht. Entschieden wird im Oktober 2026."
Fundamentalanalysen Small Caps Investigator

Anmerkungen

Invested Capital Turnover (+): Ausnahmepunkte. Das investierte Kapital ist doppelt verzerrt: die aktivierten Entwicklungskosten (67,5 Mio.) blähen die Kapitalbasis buchhalterisch auf, und die Mitsubishi-Runde (32,8 Mio. frisches EK) hat sie zusätzlich erhöht. Der niedrige Umschlag misst damit keine echte Ineffizienz — SEEs Lizenzmodell ist im Kern asset-light. Trend abwärts, weil Kapital schneller wuchs als Umsatz; daher Ausnahmepunkte statt Abwertung.

Eigenkapitalquote (+): Ausnahmepunkte. Zwar Trend abwärts, aber die ~33 % liegen im Korridor. Die Kennzahl ist doppelt verzerrt. Erstens drückt die Wandelanleihe (51,3 Mio. FK = ~39 % der Bilanzsumme) die Quote mechanisch nach unten — ohne sie läge sie bei ~54 %. Die niedrige Quote ist also weniger ein EK-Schwäche- als ein FK-Aufblähungs-Effekt. Zweitens ist das ausgewiesene EK (43,3 Mio.) selbst weich, weil es zu über 100 % von aktivierten Entwicklungskosten getragen wird. Die Kapitalrunde (Mitsubishi, 32,8 Mio.) hat das EK zuletzt gestützt und die Negativ-EK-Falle vermieden.

Liquidität Grad II / Quick Ratio (+): Ausnahmepunkte. Trend abwärts, aber immer noch im Korridor. Zum Bilanzstichtag (30.6.2025) war die Liquidität mit ~1,8 komfortabel. Doppelter Vorbehalt: (1) Die Kasse brach bis 31.12.2025 auf 3,4 Mio. ein — der Stichtagswert übertrifft die heutige Realität deutlich. (2) Die größte Verbindlichkeit (51-Mio.-Anleihe) ist langfristig und steckt gar nicht im Nenner — die Kennzahl blendet sie strukturell aus, bis sie 2026 kurzfristig wird.

Operating Cashflow Margin (~): halbe Punktzahl. OCF -12,3 Mio. noch negativ (Face Value 0), aber die Richtung ist klar: bereinigter EBITDA-Verlust von -17,7 (H1) auf -12,4 Mio. (H2), Break-even-Run-Rate zum Jahresende 2025 in Aussicht. Trend rauf.

Free Cashflow Marge (~): halbe Punktzahl. Negativ, aber Aufwärtstrend. Der FCF (-29,8 Mio.) ist deutlich schlechter als der OCF, weil 17,1 Mio. an Entwicklungskosten aktiviert wurden — Echte Cash-Abflüsse für Ingenieursgehälter, die im Zahlungsjahr nicht als Aufwand in der GuV erscheinen, sondern aktiviert und erst über die Folgejahre als unbare Abschreibung verbucht werden. Genau hier liegt der Hebel: Die Aktivierung sinkt bereits (17,1 vs. 22,9 Mio. Vorjahr); läuft sie mit reifenden Programmen weiter zurück, verbessert sich der FCF mechanisch.

Cash Burn Reichweite (+): Volle Punktzahl, aber der größte Vorbehalt im Set. Brennstoffbasis ist Cash + kurzfristige Geldanlagen (STI); bei SEE sind die STI jedoch vernachlässigbar („other financial assets" nur 0,3 Mio.), die Liquidität ist praktisch reines Bankguthaben. Zum Stichtag (30.6.2025) 22,6 Mio.; bis 31.12.2025 auf 3,4 Mio. gesamt eingebrochen (Trend runter). Anfang 2026 nur durch eine vorgezogene Meilenstein-Lizenzzahlung (14,1 Mio.) gestützt — geliehene Liquidität aus künftigen Royalties, kein neu verdienter Cash. Ohne diesen Einmaleffekt und die Forderungslinie wäre die Reichweite kritisch. Die volle Punktzahl ist ein Stichtagsartefakt; der reale Engpass ist die 51-Mio.-Anleihe im Oktober 2026.

Operative Nettomarge (~): halbe Punktzahl. Mit einem Nettoverlust von 25,3 Mio. auf 62,3 Mio. Umsatz tief negativ. Halbe Punkte für die echte Besserung: Der Verlust schrumpfte um 19 % (von 31,3 Mio.), getragen von der Reorganisation (~12 Mio. Kosten p. a. raus) und dem margenstärkeren Mix.

ROIC (~): halbe Punktzahl. Hier liegt ein echter Strukturbruch im Treiber: Während die ROIC-Besserung über 10/5 Jahre rein Nenner-getrieben war (die Bilanz wuchs), ist FY24→25 erstmals verlustgetrieben, und zwar im positiven Sinn (operativer Verlust -26,9 → -18,7 Mio.) — also operativ verdient, nicht durch Bilanzeffekte geschönt. Noch negativ, aber Aufwärtstrend.

Brutto-Marge (~): halbe Punktzahl. 63 % (von 47 %) ist real, positiv und das wichtigste Einzelsignal im Modell — liegt aber knapp unter dem Korridor. Mix-getriebener Anstieg (Verschiebung zu hochmargigen Royalties). Trend rauf; die Marge steigt strukturell weiter, je größer der Royalty-Anteil wird.

EBIT-Marge (~): halbe Punktzahl. Negativ (operativer Verlust -18,7 Mio.), aber klar im Aufwärtstrend (von -26,9 Mio.). Hinweis: gleicher Umsatznenner und gleiche Treiber (Kostensenkung + Mix) wie Netto- und Bruttomarge — also ein Signal, nicht drei unabhängige Bestätigungen.

Backlog / Sales Ratio (+): volle Punktzahl. ~6,3x (Backlog >400 Mio. vs. ~52,8 Mio. bereinigter Umsatz). Dokumentierte Korridor-Abweichung „höher = besser“ beim Royalty-Modell → volle Punkte. Trend rauf. Vorbehalte für die Prosa: automotive-only, brutto-kumulierter Lifetime Value (nicht reines Rest-Orderbuch) und volumengeschätzt — ein starker Vorlaufindikator, kein garantierter Auftragsbestand.

Personalaufwand (~): halbe Punktzahl. Die Reorganisation senkte die Belegschaft von 509 auf 393 FTE und ~12 Mio. Kosten p. a. — Trend runter ist hier positiv (Kostendisziplin). Halbe Punkte wegen einer Verzerrung: Ein erheblicher Teil der Ingenieursgehälter (~12 Mio.) wird aktiviert statt aufwandswirksam gebucht, der ausgewiesene Personalaufwand untertreibt die echte Lohnlast also.

Nettozinsquote (-): keine Punkte. Finanzkosten von 8,0 Mio. belasten das Ergebnis, Tendenz steigend (Trend runter) — daher null. Entscheidender Hinweis für die Prosa: Die Last ist fast vollständig nicht zahlungswirksam (Effektivzins-Accretion auf die Wandelanleihe, 11–13 %, wird kapitalisiert statt bar gezahlt). Die GuV überzeichnet die Cash-Belastung; Trotzdem müssen die Zinsen ja irgendwann bezahlt werden. Das reale Risiko ist zwar nicht der laufende Zins, aber die Einmal-Tilgung bei Fälligkeit. Dieses Risiko wollte ich abbilden.

Long-term financial debt ratio (-): keine Punkte. Klassischer „sieht-besser-aus-als-es-ist"-Fall: die Durchschnittsperioden sehen okay aus. Die Magna-Wandelanleihe hob die Verschuldung jedoch auf ~40% in 2024/2025 und wir im Oktober 2026 fällig.

Anlagenintensität (~): halbe Punktzahl. Außerhalb des Korridors — aber als Aktivierungs-Artefakt, nicht als echte Kapitalintensität: Der SaaS-Korridor ist gegen Peers kalibriert, die F&E aufwandswirksam buchen; SEEs Aktivierung bläht die Kennzahl auf, ohne dass das Geschäft real anlagenschwer wäre. Bereinigt um die aktivierte F&E läge sie im Korridor → halbe Punkte.

F&E Quote (~): Halbe Punktzahl. Vorsicht: Der ausgewiesene F&E-Aufwand (26,7 Mio.) erfasst nur einen Teil; zusätzlich wurden 17,1 Mio. aktiviert. Die echte F&E-Intensität liegt bei ~44 Mio. auf 62 Mio. Umsatz (~70 %), typisch für die Vorskalierungsphase. Den Trend ebenfalls auf dieser Gesamtbasis messen: Echte F&E sank von ~57 Mio. (FY2024) auf ~44 Mio. (FY2025), rund -24 % — der Abwärtstrend besteht also auch bereinigt und spiegelt Kostendisziplin und reifende Programme (weniger Neuentwicklung nötig, je mehr Programme in Produktion gehen).

Begriffe unklar?


Quellenverzeichnis

[1] Seeing Machines Ltd. (2025). Annual Financial Report — 30 June 2025 (Finanzkennzahlen, Programme/OEM-Kunden, Note 16 Intangibles, Note 20 Wandelanleihe, Going-Concern-Vermerk). Verfügbar unter: seeingmachines.com [Abruf am 28.06.2026].

[2] Seeing Machines Ltd. (2026). H1 FY2026 Results and Directors' Report (27.03.2026). Verfügbar unter: seeingmachines.com [Abruf am 28.06.2026].

[3] Investegate / Seeing Machines Ltd. (2026). Trading Update — H1 FY2026 (Cash 31.12.2025, cars on road, vorgezogene Royalty, Forderungslinie, Refinanzierungs-Zeitplan). Verfügbar unter: investegate.co.uk [Abruf am 28.06.2026].

[4] Europäische Kommission / EUR-Lex. Advanced Driver Distraction Warning (ADDW), Verordnung (EU) 2019/2144. Verfügbar unter: eur-lex.europa.eu [Abruf am 28.06.2026].

[5] Wikipedia. Driver monitoring system (Integration Ford BlueCruise). Verfügbar unter: en.wikipedia.org [Abruf am 28.06.2026].

[6] Seeing Machines Ltd. / PR Newswire (2025). Seeing Machines Announces Groundbreaking Impairment Detection Capability (Verbreitung: 3,7 Mio. Autos, 60.000 Lkw). Verfügbar unter: prnewswire.com [Abruf am 28.06.2026].

[7] Ford Motor Company (2026). Ford BlueCruise: Hands-Free Highway Driving Verfügbar unter: ford.com [Abruf am 28.06.2026].

[8] Seeing Machines Ltd. / London Stock Exchange RNS (2025). Seeing Machines Announces Japanese Auto Award and Extended European Program. Verfügbar unter: londonstockexchange.com [Abruf am 28.06.2026].

[9] Seeing Machines Ltd. (26.11.2025). Additional New Business with an Existing European Tier 1 and OEM Customer — „total cumulative initial lifetime value … over USD 400 million". Verfügbar unter: https://www.marketscreener.com/news/seeing-machines-limited-announces-additional-new-business-with-an-existing-european-tier-1-and-oem-c-ce7d5ed2d18ef021 [Abruf am 29.06.2026].