Wer ist der Small Caps Investigator?

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Wer ist der Small Caps Investigator?
Vercors, Frankreich © Small Caps Investigator

Bin zurück – frisch gestärkt von der französischen Küche und voller abenteuerlicher Erinnerungen. Bevor ich mich wieder in Bilanzen und Kennzahlen vergrabe, möchte ich kurz den Analysemodus ausschalten und die persönliche Seite durchscheinen lassen: Wie bin ich überhaupt hierhergekommen – und was qualifiziert eigentlich einen wie mich dazu, Aktien zu analysieren?

Die ehrliche Antwort vorweg: rein formal erst mal nichts. Mein Hintergrund ist ein ganz anderer – Sinologie und Agrarwirtschaft im Studium, danach verschiedene Jobs in der Bau-, Automobil- und Pharmabranche. Kein Banker, kein BWLer, kein Fondsmanager. Und genau das sehe ich inzwischen als Vorteil: Ich komme nicht aus der Finanzblase und muss niemandem etwas verkaufen. Den Umgang mit Bilanzen habe ich mir aus eigener Neugier erarbeitet – schon im Studium, mit Vorlesungen in Rechnungswesen und Controlling und reichlich zäher Literatur, durch die ich mich gekämmt habe. Die Neugier war eben stärker als die Lehrwerke.

Als das Wort ETF noch nicht in aller Munde war – besonders nicht im investitionsträgen Deutschland, wo aktive Fonds das Mittel der Wahl waren – fiel mir Benjamin Grahams The Intelligent Investor in die Hände. Das Buch brachte mich auf ETFs. Mit dem ersten verdienten Geld baute ich mir zugleich eine Finanzplanung auf: Was kommt rein, was geht raus, wie viel investiere ich – und was bleibt für die Freizeit? Dieses Freizeitbudget hob ich als Cash ab, um die volle Kontrolle zu behalten. Und dann setzte ich mir ein erstes Ziel: 60.000 Euro. Klingt niedrig – aber als Berufsanfänger habe ich fast drei Jahre gebraucht, um dahin zu kommen. Bespart habe ich vier iShares-ETFs (Nasdaq 100, S&P 500, Europe Mid 200, TecDAX) und einen aktiven Schroders-Fonds auf Emerging Markets Asia.

Nach ein paar Jahren merkte ich: Asien und Europa hinkten dem US-Markt komplett hinterher, und der S&P 500 war mir mit seiner starken Tech-Konzentration im Grunde überflüssig. Ich hätte auch einfach alles in den Nasdaq 100 stecken können – aber Diversifikation ist nun mal wichtig. Und ich war mir sicher: Einen Europa- oder Asien-ETF mit Einzelaktien zu schlagen, kann nicht allzu schwer sein. (Wobei man fairerweise sagen muss, dass Europa zuletzt richtig gut gelaufen ist.)

Von Einzelaktien hatte ich bis dahin allerdings keinen Plan. Blind nach KGV kaufen, ohne das Fundament zu verstehen? Keine Option. Ich wollte verstehen, was ich da eigentlich kaufe. Bernd Heesens Basiswissen Bilanzanalyse half mir, ein eigenes Kennzahlensystem zu bauen – mein Werkzeug, um die Qualität des Fundaments zu prüfen, auf dem ein Unternehmen steht. Auf dieser Basis ist über die Jahre ein Portfolio aus über 70 Einzelwerten gewachsen, das sich gegen meinen Nasdaq-ETF bislang gut behauptet.

Hab ich Fehler gemacht? Klar. Die ein oder andere Aktie zu früh gekauft – ME Group International und Crocs zum Beispiel. Einen Totalverlust? Bisher: nein. Und ist es wirklich so schwer, eine Aktie zu finden, deren Kurs sich in zwei bis drei Jahren verdoppelt? Weniger, als man denkt. SAP, Telekom, ITM Power, IES Holdings, SK Hynix, Target Hospitality, Applied Materials – Treffer, bei denen meine Analyse die Chancen richtig eingeschätzt hat. (Im Rückblick ist man natürlich immer schlauer – deshalb gehört zur Ehrlichkeit auch das, was schieflief.) Was ich bereue? Bei Intel, Elmos und Monolithic Power Systems bin ich zu früh ausgestiegen – allerdings zugunsten von SK Hynix, also halb so wild. Auf gutem Weg sehe ich aktuell PVA Tepla, Siltronic, Ituran, El.En. S.p.A., Ebara, Credo, ASML, NextPower und ON Semiconductor. Und spannend finde ich gerade Flywire, Fluence Energy, NVE und Qualys.

Unterm Strich bin ich also ein ganz normaler Dude, 39 Jahre alt, dessen Hobby es ist, sich tief in die Bilanzen von Unternehmen einzugraben – um zu prüfen, ob das Fundament stabil genug für ein verhältnismäßig risikoarmes Investment ist. Der Blick in die Historie hilft mir dabei, Potenzial aufzudecken, das der Markt übersieht – so wie bei ITM Power oder Fluence Energy. Auch wenn beide nach wie vor sehr volatil sind. Genau diese übersehenen Perlen zu finden, ist der Kern dessen, was ich hier mache.

Viel Erfolg bei deinen Investments!


Small Caps Investigator