SCI Snapshot: Veeva Systems Inc. — Cash-Festung ohne Feldherr
75 % Bruttomarge, null Schulden, Monopolstellung in Life Sciences — operativ ist Veeva eine Maschine. Doch 6,5 Mrd. USD Cash ohne Strategie und eine SBC von 15 % verwässern das Bild. SCI Score, Fair Value und die Frage: Was macht Gassner mit dem Geld?
Die Cash-Festung — und warum niemand das Tor öffnet
75 % Bruttomarge, null Schulden, steigende EBIT-Marge, Monopolstellung in einer Branche, die auch in der Rezession Medikamente entwickelt — auf dem Papier ist Veeva Systems eines der besten Softwareunternehmen der Welt. Und trotzdem hat die Aktie seit dem Allzeithoch über 50 % verloren. Der Markt bepreist Veeva wie einen Slow-Grower: Forward P/E unter 20x, Kurs bei ~157 USD, während Fair-Value-Modelle bei ~271–277 USD liegen [1][2]. Was ist hier los?
Zwei Dinge überlagern sich: Die SaaS-Branche steckt in einer tiefen Rezession — Software-Aktien wurden seit Herbst 2025 branchenweit abverkauft, getrieben durch die Angst, KI-Agenten könnten klassische Cloud-Software ersetzen [16]. Und Veeva sitzt auf 6,5 Mrd. USD Cash, ohne erkennbare Strategie, was damit passieren soll. Die operative Maschine läuft — aber das Kapital schläft.
| Kennzahl | Ø 10J. | Ø 5J. | Ø 3J. | Einh. | ∆ | ★ |
| CAGR Basisdaten | ||||||
| Umsatzwachstum | 22 | 17 | 14 | % p.a. | ≈ | |
| EPS-Wachstum | 30 | 18 | 22 | % p.a. | + | |
| Vermögen & Langfr. Finanzierung | ||||||
| Inv. Capital Turnover | 3,9 | 3,9 | 4,2 | Faktor | − | |
| Eigenkapitalquote | 76 | 78 | 79 | % | ≈ | |
| Liquidität & Cashflow | ||||||
| Liquidität Grad II | 365 | 419 | 447 | % | ≈ | |
| Operating CF-Marge | 25 | 25 | 25 | % | ~ | + |
| Free CF-Marge | 24 | 24 | 24 | % | ~ | + |
| Debitorisches Ziel | 137 | 139 | 142 | Tage | + | |
| DPAO | 32 | 31 | 28 | Tage | ~ | + |
| ÜB I - V Saldo | 0 | 0 | 0 | # < 0 | ~ | + |
| Accrual Ratio | ( 6 ) | ( 6 ) | ( 5 ) | % | ~ | + |
| Profitabilität & Ertragskraft | ||||||
| Operative Nettomarge | 21,1 | 20,3 | 19,5 | % | + | |
| ROIC | 13 | 11 | 9 | % | ≈ | |
| Eigenkapitalrendite | 14,6 | 12,8 | 12,1 | % | + | |
| Brutto-Marge | 72 | 73 | 74 | % | + | |
| EBIT-Marge | 24 | 24 | 24 | % | ~ | + |
| Aufwendungen & Verschuldung | ||||||
| Personalaufwand | 54 | 54 | 54 | % | ~ | + |
| Nettozinsquote | 3 | 5 | 7 | % | − | |
| Nettozinsdeckungsquote | > 5 | > 5 | > 5 | Faktor | ~ | + |
| Dyn. Verschuld.grad | 0 | 0 | 0 | Jahre | ~ | + |
| Langfr. Verschuldung | 0 | 0 | 0 | % | ~ | + |
| Umsatz pro Mitarbeiter | 0,4 | 0,4 | 0,4 | Mio. $ | ~ | + |
| SBC Quote | 12,4 | 15,3 | 15,8 | % | − | |
| S&M Expense Ratio | 15,3 | 12,7 | 12,4 | % | + | |
| G&A Expense Ratio | 9,1 | 8,8 | 8,7 | % | + | |
| Substanzerhalt vs. Expansion | ||||||
| Anlagenintensität | 15,2 | 11,1 | 8,5 | % | + | |
| Akquisitionsintensität | 4,0 | 0,1 | 0,0 | % | ≈ | |
| Rule of 40 | 46,6 | 40,9 | 38,2 | % | + | |
| NRR (geschätzt) | 117 | 114 | 113 | % | ≈ | |
| F&E Quote | 21 | 22 | 22 | % | ~ | + |
strategie — 6,5 Mrd. Cash ohne produktiven Einsatz
SCI Verdict
Veeva dominiert Life Sciences wie kein Zweiter: 1.552 Kunden, darunter 17 der Top-20-Pharmakonzerne, Subscription Gross Margin von 86 % [4]. Der operative Hebel funktioniert — das EPS-Wachstum beschleunigt sich, obwohl das Umsatzwachstum nachlässt. Netto schuldenfrei, über 1,4 Mrd. USD jährlicher operativer Cashflow [5]. Die Schwachstelle liegt in der Bilanz: 6,5 Mrd. USD Cash ohne produktiven Einsatz und 15 % SBC/Umsatz — fast doppelt so hoch wie der Branchenschnitt [6] — verwässern sieben Score-Kennzahlen gleichzeitig. Wer hier investiert, wettet darauf, dass der Markt den KI-Discount bei einem regulierten Monopolisten mit proprietären Daten als übertrieben erkennt.
Unternehmensprofil
Veeva Systems Inc. (NYSE: VEEV) wurde 2007 von Peter Gassner und Matt Wallach in Pleasanton, Kalifornien gegründet. Gassner — Sohn Schweizer Einwanderer, aufgewachsen in Portland, Oregon — hatte zuvor neun Jahre als Chief Architect bei PeopleSoft und vier Jahre als SVP Technology bei Salesforce gearbeitet [7]. Bei Salesforce erkannte er die Chance: Die Pharmabranche brauchte Cloud-Software, die branchenspezifische Regulierung (FDA, EMA) von Haus aus versteht — nicht generische Tools mit aufgeklebter Compliance. 2013 folgte der Börsengang, 2021 die Umwandlung zur Public Benefit Corporation (PBC) — als erstes börsennotiertes Unternehmen überhaupt, mit 99 % Aktionärszustimmung [8]. Als PBC ist Veeva rechtlich verpflichtet, die Interessen aller Stakeholder zu balancieren — Kunden, Mitarbeiter, Aktionäre. Das erklärt teilweise die konservative Kapitalallokation, die sich durch den gesamten Snapshot zieht. Heute beschäftigt Veeva 7.928 Mitarbeiter und bedient 1.552 Kunden in über 80 Ländern [4][5]. Hinweis: Veevas Fiskaljahr endet am 31. Januar — FY2026 umfasst den Zeitraum Februar 2025 bis Januar 2026.
Im Kern baut Veeva das Betriebssystem der Pharmabranche. Wenn ein Vertriebsmitarbeiter einen Arzt besucht, dokumentiert er das in Veeva. Wenn ein Unternehmen eine klinische Studie aufsetzt, die Ergebnisse bei der FDA einreicht oder die Produktionsqualität nachweist — alles läuft über Veeva-Software. Vier Produktsäulen: Commercial Cloud für Vertrieb und Marketing, Development Cloud für klinische Studien und Zulassung, Quality Cloud für Produktion, Data Cloud mit proprietären Daten über Ärzte und Patienten [9]. ~84 % des Umsatzes kommen aus wiederkehrenden Subscriptions, der Rest aus Implementierungsberatung [5]. Das Geschäftsmodell folgt einer Land-and-Expand-Logik: Ein Kunde startet mit einem Produkt und erweitert auf 10–15 — jeder Zusatzverkauf hat quasi null Akquisitionskosten, weil der Kontakt und die IT-Integration bereits stehen. Wer ein Produkt rausreißt, bricht die Datenflüsse. Das sind keine Einzeltools — das ist vernetzte Infrastruktur.
Operative Maschine — aber wohin mit dem Geld?
Seit dem IPO 2013 durchgehend profitabel, mit steigenden Margen, ohne Schulden. Die Bruttomarge klettert von 72 % (FY2021) auf 75,5 % (FY2026), getrieben durch den steigenden Subscription-Anteil am Gesamtumsatz — Subscription liefert 86 % Bruttomarge, Professional Services nur ~30–35 % [5]. Die GAAP-EBIT-Marge hat sich von ~21 % (FY2024) auf 29 % (FY2026) verbessert — und das nach voller SBC-Belastung von ~473 Mio. USD [5]. Die S&M-Quote ist von 21 % (FY2017) auf 13 % (FY2026) gefallen [5] — scheinbar braucht Veeva kaum Marketing, weil es in dieser Nische keine echte Alternative gibt.
Das EPS-Wachstum erzählt die eigentliche Geschichte. Das Umsatzwachstum verlangsamt sich strukturell — von 33 % (FY2021) auf 16 % (FY2026) [5], Analysten erwarten ~13 % für FY2027 [4]. Aber der 3J-Durchschnitt des EPS-Wachstums (~22 %) übertrifft den 5J-Durchschnitt (~18 %). Weniger Top-Line-Dynamik, mehr Bottom-Line-Qualität — der operative Hebel eines skalierten SaaS-Modells, bei dem jeder neue Subscription-Dollar fast komplett auf den Gewinn durchfällt.
Die Kehrseite: 6.5 Mrd. USD in Cash und Short-term Investments — mehr als zwei Jahresumsätze auf dem Konto [5]. Die Akquisitionshistorie ist erschreckend dünn: sieben Übernahmen in 20 Jahren, davon eine substanziell (Crossix, 430 Mio. USD, 2019). Ostro im März 2026 für 100 Mio. USD — bei 6,5 Mrd. USD Cash ist das Kleingeld [11][12].
Der SBC-Elefant im Raum
473 Mio. USD Stock-Based Compensation in FY2026 — 14,8 % des Umsatzes, verdoppelt seit FY2017 (7,4 %) [5]. Die reported OCF-Marge von 44 % sieht fantastisch aus. Bereinigt um SBC schrumpft sie auf ~29 % — immer noch stark, aber ein völlig anderes Bild. Die Differenz von 15 Prozentpunkten sind keine operative Cash-Generierung, sondern Personalkosten, die über Aktienverwässerung an die Aktionäre weitergereicht werden.
Warum nicht einfach Cash-Gehälter? Beides ist steuerlich absetzbar — aber SBC belastet den Cashflow nicht. Veeva bekommt denselben Steuerabzug wie bei einem Cash-Gehalt, ohne einen Dollar auszugeben. Steigt der Kurs zwischen Grant und Vesting, übersteigt der Abzug sogar den GAAP-Aufwand — weil der steuerliche Abzug auf dem Marktwert bei Vesting basiert, nicht auf dem Fair Value bei Gewährung. Dazu Marktstandard: Ohne Equity Compensation verliert man in der US-Tech-Branche Talente. Das ist weniger Strategie als Zwang — und die Rechnung zahlen die Aktionäre über Verwässerung. [5].
Was der Cash-Berg mit dem Score macht
Die vielleicht überraschendste Erkenntnis: Sieben von 31 bewerteten Kennzahlen werden direkt durch die Cash-Akkumulation verzerrt. Eigenkapitalquote 80 % — über dem Korridor, weil Retained Earnings als Cash auf dem Konto liegen. Quick Ratio 4,8 — selbe Ursache, andere Bilanzseite. Invested Capital Turnover 4,9x — sprengt den SaaS-Korridor, weil nach Cash-Abzug nur ~653 Mio. USD investiertes Kapital übrig bleiben. ROIC ~10 % statt der erwarteten ~30 %, weil zwei Drittel des Eigenkapitals ungenutzt sind. Dazu Eigenkapitalrendite, Anlagenintensität und Nettozinsquote — alles verzerrt durch dieselbe Ursache. Operativ erstklassig, strategisch lethargisch. Die Maschine verdient wie wenige — und parkt das Ergebnis auf dem Sparkonto.
Wo kann Veeva noch wachsen?
Development Cloud hat in FY2026 erstmals Commercial als größte Umsatzquelle überholt: ~1.426 Mio. USD vs. ~1.257 Mio. USD Subscription Revenue [4]. Der Wachstumsmotor verschiebt sich von CRM (reifer Markt, Salesforce-Konkurrenz) hin zu klinischen Studien und Zulassungsverfahren — ein Bereich ohne vergleichbaren Wettbewerber. 17 der Top-20-Pharmas nutzen bereits Veevas CTMS, Safety hat sechs Top-20-Kunden gewonnen, RTSM wird als Enterprise-Standard ausgerollt [4]. Parallel läuft die Vault CRM Migration: 125+ Kunden live auf der eigenen Plattform, darunter mehrere Top-20-Pharmakonzerne — jeder migrierte Kunde ist ein gesicherter Umsatzstrom für Jahre [4]. Ziel des Managements: den Umsatz bis 2030 auf rund 6 Mrd. USD zu verdoppeln, bei aktuell nur ~16 % Penetration eines 20+ Mrd.-Marktes [4][3].
Die KI-Disruptions-Angst, die den gesamten SaaS-Sektor belastet, trifft Veeva nur bedingt: Regulatorisch validierte Systeme für FDA-Einreichungen und klinische Studien ersetzt man nicht durch KI-Agenten, die halluzinieren könnten. Veevas proprietäre Daten (OpenData, Compass, Link) sind der Rohstoff, den jede KI braucht — und den sonst niemand hat. Salesforce Agentforce hat zwar 40+ Life-Sciences-Kunden gewonnen [11], aber primär im CRM-Bereich, der bis 2030 nur noch ~10 % von Veevas Umsatz ausmachen soll [10]. Das reale Risiko ist nicht Disruption, sondern Dezeleration: Wenn Pharma-Kunden in Sparphasen Entscheidungen verzögern, verlangsamt sich das Wachstum — FY2024 mit nur 10 % Subscription-Wachstum war ein Vorgeschmack [5]. Aber das ist zyklisch, nicht strukturell. Der nächste Quartalsbericht am 3. Juni 2026 wird der erste Test, ob der 17 %-Pfad Richtung 6 Mrd. USD haltbar ist [13].
Risk Assessment
Wettbewerbssituation — Note 2: ~80 % Marktanteil im Life-Sciences-CRM-Markt [17]. Ein Pharmakonzern mit 10–15 vernetzten Veeva-Produkten migriert nicht wegen eines schickeren CRM. Salesforce Agentforce ist der einzige neue Herausforderer — bisher nur im CRM-Bereich mit 40+ gewonnenen Kunden [11]. In Development Cloud gibt es keinen vergleichbaren Plattform-Anbieter.
Markenbekanntheit — Note 2: In der Pharmabranche der De-facto-Standard — wenn ein Vertriebsmitarbeiter einen Arzt besucht, dokumentiert er das in Veeva. Außerhalb der Branche eher unbekannt, was sich mit der S&P-500-Aufnahme im April 2026 ändert [15]. 23–30 Analysten covern den Titel.
Geografische Diversifikation — Note 3: Aktiv in über 80 Ländern, internationaler Umsatzanteil bei ~22 % [5]. Für ein Unternehmen, dessen Kunden (Pfizer, Roche, Novartis) global operieren, ist die Diversifikation de facto besser als die Umsatzverteilung suggeriert — ein Vertrag in Kalifornien kann klinische Studien auf drei Kontinenten abdecken. Das Klumpenrisiko liegt klar in Nordamerika, ist aber durch die multinationale Kundenbasis natürlich abgefedert.
Diversifikation Geschäftsfelder — Note 2: Vier Säulen, 30+ Produkte, zunehmend Richtung Development Cloud. 100 % Life Sciences bleibt das strukturelle Klumpenrisiko — Expansion in Konsumgüter und Medtech über Quality Cloud hat begonnen, ist aber noch früh [9]. Innerhalb von Life Sciences vorbildlich diversifiziert: kein einzelnes Produkt dominiert den Umsatz.
Politische Risiken — Note 2: Gering. Software für die Gesundheitsbranche ist politisch unkontrovers. FDA/EMA-Regulatorik ist eher Schutzwall als Risiko — Regulierung schafft Bedarf für Veevas Compliance-Tools. Der PBC-Status erklärt teilweise die konservative Kapitalallokation, hat aber bisher keine materielle Auswirkung auf den Geschäftsbetrieb [8].
Umwelt- bzw. ESG-Risiken — Note 1: Kein ökologischer Fußabdruck. Reines Softwareunternehmen, gehostet auf AWS. PP&E von nur ~70 Mio. USD bei 3,2 Mrd. USD Umsatz [5]. Als PBC kein ESG-Ausschlussrisiko.
Aufwärtspotenzial
Auf dem aktuellen Kursniveau von ~157 USD ist Veeva mit einem KGV von ~29x, einem Forward-KGV von ~20x und einem EV/FCF von ~16x bewertet. Für einen schuldenfreien Monopolisten mit 75 % Bruttomarge und steigender EBIT-Marge ist das historisch günstig — Veeva hat in den letzten fünf Jahren nie unter P/E 30x gehandelt. Das durchschnittliche 12-Monats-Kursziel liegt bei ~265 USD, der aus verschiedenen Quellen sowie aus eigener Berechnung gemittelte Fair Value bei ~267 USD [1][2]. Gemessen am aktuellen Kurs ergibt das ein Aufwärtspotenzial von rund 70 %. Der Katalysator: Wenn Veeva den 17 %-Wachstumspfad Richtung 6 Mrd. USD bestätigt, dürfte die Multiple-Expansion von P/E 20x zurück Richtung 30–35x nicht vier Jahre dauern — sondern deutlich schneller einsetzen.
"Geld, das schläft, verpasst keine Krise. Aber jede Chance."

Anmerkungen
Invested Capital Turnover (-): 0 Punkte — der Wert von ~4,9x liegt recht hoch und ist in diesem Fall ein Indikator für die aufgeblähte Cash-Position: Nach Abzug von 6,5 Mrd. Cash bleiben nur ~653 Mio. investiertes Kapital. Symptom der fehlenden Kapitalallokation, nicht der Stärke.
Eigenkapitalquote (~): 80 % EK-Quote klingt bombensicher, liegt aber außerhalb des Korridors — zu hoch, daher 0 Punkte im Scoring. Ursache: Jahrelang keine Dividende, kein Buyback, Net Income stapelt sich als Retained Earnings. Erst seit Januar 2026 wird gegengesteuert (2 Mrd. Buyback-Programm). Aufwärtstrend ist hier kein Qualitätsmerkmal, sondern Cash-Akkumulation. Gesamteindruck neutral, weil es sich um ein Luxusproblem handelt.
Liquidität Grad II (~): Quick Ratio von ~4,5 — ebenfalls außerhalb des Korridors nach oben. Selbe Ursache wie EK-Quote: Current Assets bestehen zu über 80 % aus geparkter Liquidität. Misst hier nicht die Fähigkeit, kurzfristige Verbindlichkeiten zu bedienen (das könnte Veeva fünfmal), sondern nur den Cash-Berg. 0 Punkte im Scoring, Gesamteindruck neutral.
Operating Cashflow Margin (+): Volle Punktzahl, aber mit Asterisk: Die reported OCF-Marge von ~44 % (2025) ist durch ~500 Mio. SBC aufgebläht (+15 Prozentpunkte). Bereinigt um SBC liegt die echte OCF-Marge bei ~29 % — immer noch stark für SaaS, aber ein völlig anderes Bild. Im Score wird die bereinigte Marge verwendet.
Free Cashflow Marge (+): Analog zur OCF-Marge SBC-bereinigt gescort. Die bereinigte FCF-Marge liegt bei ~24–28 % — solide, aber weit entfernt von den ~40 %, die unbereinigt in den Screener-Daten auftauchen. Konsistente Bereinigung vermeidet Doppelzählung mit dem SBC-KPI.
Debitorisches Ziel (+): 0 Punkte im Scoring, aber 2 Ausnahmepunkte wegen positivem Trend. Das Debitorische Ziel von ~150 Tagen ist ein reiner Stichtagseffekt — Veeva fakturiert überproportional in Q4 (Jan.), Pharma-Kunden zahlen 60–90 Tage später. Der Q1–Q3-Durchschnitt liegt bei ~45 Tagen — völlig normal für Enterprise-SaaS.
Operative Nettomarge (+): Trend leicht rückläufig über 10J-, 5- zu 3J-Durchschnitt. Aber in den letzten 3 Jahren steigend — trotz voller SBC-Belastung. Die Margenexpansion kommt primär aus dem steigenden Subscription-Mix (86 % Bruttomarge) und sinkender S&M-Quote.
ROIC (~): 0 Punkte im regulären Scoring, aber 4 Ausnahmepunkte. Problem: Bei NOPAT / (Equity + Debt) liegt der ROIC bei nur ~10 % — weil zwei Drittel des Eigenkapitals als Cash auf dem Konto liegen. Der 3J-Trend zeigt eine Erholung, und das Buyback-Programm wird den Nenner strukturell drücken. Die Ausnahmepunkte honorieren den positiven Richtungswechsel.
Eigenkapitalrendite (+): ~12 % EK-Rendite — niedrig für ein SaaS-Unternehmen mit 75 % Bruttomarge, aber insgesamt im Rahmen. Selbe Ursache wie ROIC: aufgeblähtes Equity durch Cash-Akkumulation. Trend abwärts über den 5J-Durchschnitt, aber der 3J-Trend zeigt Stabilisierung. Buyback wird hier mechanisch helfen.
Personalaufwand (+): Proxy-Berechnung. Veeva weist keine aggregierte Personalkosten-Zeile aus (US-GAAP). Der Proxy sinkt über die letzten 3 Jahre — Zeichen steigender Produktivität und operativen Hebels.
Nettozinsquote (-): Veeva ist netto schuldenfrei mit ~6,5 Mrd. Cash — die Nettozinsquote fällt extrem positiv aus. Aufwärtstrend reflektiert steigende Zinserträge auf die Cash-Position. Cash muss arbeiten.
Stock Based Compensation (-): 14,8 % SBC/Umsatz — doppelt so hoch wie der Damodaran-Branchenschnitt von 7,83 %. Jährlich ~3 % Verwässerung der Aktionäre. Der 3J-Trend zeigt ein leichtes Abflachen (16,7 % → 14,8 %), aber das ist ein Plateau, keine Trendwende. Das 2 Mrd.-Buyback kompensiert gerade die Verwässerung — netto null Kapitalrückführung.
Sales & Marketing Expense Ratio (+): 11–13 % — extrem effizient für SaaS (Salesforce: ~35 %, ServiceNow: ~25 %). Veeva braucht vermutlich wenig Marketing dank Monopolstellung. Trend leicht aufwärts in FY2026 (13,1 % vs. 11,6 % in FY2025), aber auf sehr niedrigem Niveau.
General & Administrative Expense Ratio (+): Stabil bei 8–10 %, leicht steigend in FY2026 (9,5 %). Der Anstieg könnte mit Buyback-Setup, Ostro-Integration oder Litigation-Kosten zusammenhängen. Kein strukturelles Problem, aber FY2027 wird zeigen, ob es ein Einmaleffekt war.
Anlagenintensität (+): ~6 % — typisch für Asset-Light-SaaS. Die Kennzahl funktioniert hier als Anzeiger dafür, wie wie hoch der Goodwill aus Akquisitionen ist. Fast das gesamte Anlagevermögen besteht aus Goodwill (~440 Mio. aus Crossix-Übernahme 2019). PP&E nur ~70 Mio. für ein 3 Mrd.-Unternehmen. Trend optisch sinkend, aber nur weil Total Assets durch Cash-Akkumulation wachsen — nicht weil Veeva leichter wird.
Akquisitionsintensität (~): das ganze Cash, das Veeva parkt könnte für Akquisitionen verwendet werden, eventuell sogar ohne Aktienausgabe oder Fremdkapitalaufnahme. Hier gab es Abzug, aber Gesamteindruck bleibt neutral.
Net Revenue Retention Rate (~): Veeva hat ab FY2023 aufgehört, die NRR zu reporten — ein Warnsignal? Historisch 119–125 % (FY2016–FY2022), implizit geschätzt auf ~107–114 % (FY2023–FY2026). Der Rückgang erklärt sich durch den Pharma-Sparzyklus. Trend abwärts, aber FY2025/FY2026 zeigen Erholung durch Vault CRM Migration und R&D Cloud Expansion. Scoring basiert auf Schätzwerten — im Snapshot-Text als solche gekennzeichnet.
Begriffe unklar?
Quellenverzeichnis
[1] GuruFocus. (2026). Veeva Systems (VEEV) GF Value. Verfügbar unter: https://www.gurufocus.com/stock/VEEV/summary [Abruf am 16.05.2026].
[2] Simply Wall St. (2026). Veeva Systems (VEEV) Intrinsic Value — DCF Model. Verfügbar unter: https://simplywall.st/stocks/us/healthcare/nyse-veev/veeva-systems [Abruf am 16.05.2026].
[3] IntuitionLabs. (2026). Veeva Systems (VEEV) — 2026 Long-Term Investment Analysis. Verfügbar unter: https://intuitionlabs.ai/pdfs/veeva-systems-veev-2025-long-term-investment-analysis.pdf [Abruf am 16.05.2026].
[4] Veeva Systems Inc. (2026, 4. März). Veeva Announces Fourth Quarter and Fiscal Year 2026 Results. SEC Form 8-K. Verfügbar unter: https://www.sec.gov/Archives/edgar/data/0001393052/000139305226000007/veev-20260131q426xex991.htm [Abruf am 16.05.2026].
[5] Veeva Systems Inc. (2026). Annual Report on Form 10-K, Fiscal Year Ended January 31, 2026. SEC Filing. Verfügbar unter: https://www.sec.gov/Archives/edgar/data/0001393052/000139305226000014/veev-20260131.htm
[6] Damodaran, A. (2026). Stock-Based Compensation as % of Revenue — Software (System & Application). New York University, Stern School of Business. Verfügbar unter: https://pages.stern.nyu.edu/~adamodar/ [Abruf am 16.05.2026].
[7] Wikipedia. (2026). Peter Gassner. Verfügbar unter: https://en.wikipedia.org/wiki/Peter_Gassner [Abruf am 16.05.2026].
[8] BioSpace. (2021, 13. Januar). Veeva Becomes First Public Company to Convert to a Public Benefit Corporation. Verfügbar unter: https://www.biospace.com/article/releases/veeva-becomes-first-public-company-to-convert-to-a-public-benefit-corporation/ [Abruf am 16.05.2026].
[9] Veeva Systems Inc. (2026). Products Overview. Verfügbar unter: https://www.veeva.com [Abruf am 16.05.2026].
[10] Investing.com. (2026, April). Veeva Systems: The Industry Cloud for Life Sciences Amid AI Revolution and CRM Evolution. Verfügbar unter: https://ca.investing.com/analysis/veeva-systems--the-industry-cloud-for-life-sciences-amid-ai-revolution-and-crm-evolution-200623808 [Abruf am 16.05.2026].
[11] Trefis. (2026). Veeva Systems (VEEV) Acquisitions. Verfügbar unter: https://www.trefis.com/data/companies/VEEV [Abruf am 16.05.2026].
[12] Veeva Systems Inc. (2026, 10. März). Veeva Acquires Ostro, the Leading Brand Engagement Platform for Life Sciences. Pressemitteilung. Verfügbar unter: https://www.veeva.com/resources/veeva-acquires-ostro/ [Abruf am 16.05.2026].
[13] Stock Titan. (2026, 13. Mai). Veeva to Release Fiscal 2027 First Quarter Results on June 3. Verfügbar unter: https://www.stocktitan.net/news/VEEV/ [Abruf am 16.05.2026].
[15] The Motley Fool. (2026, 4. Mai). Veeva Systems Just Joined the S&P 500. 3 Reasons to Buy It and 1 Not To. Verfügbar unter: https://www.fool.com/investing/2026/05/04/veeva-systems-just-joined-the-sp-500-3-reasons-to/ [Abruf am 16.05.2026].
[16] Seeking Alpha. (2026, 10. April). Veeva Systems: Not A Likely Victim Of Total AI Disruption — Buy The Dip (Upgrade). Verfügbar unter: https://seekingalpha.com/article/4889896-veeva-systems-not-a-likely-victim-of-total-ai-disruption-buy-the-dip-upgrade [Abruf am 16.05.2026].
[17] IntuitionLabs. (2026). Veeva Systems 2021–2026: Evolution of a Life Sciences Cloud Leader. Verfügbar unter: https://intuitionlabs.ai/articles/veeva-systems-2021-2025-evolving-life-sciences-cloud-leader [Abruf am 16.05.2026].