Logbuch: Hackett Group — Wenn die These auf die Realität trifft
Revenue -11%, Guidance unter Consensus, Kurs im freien Fall. Die Q1-Zahlen von Hackett Group zwingen zur ehrlichen Bilanz: Die Substanz-These steht — aber der Katalysator lässt auf sich warten. Warum ich trotzdem nachgekauft habe.
Die Q1-Zahlen kamen letzte Woche. Revenue: $68,8 Mio. — 11% unter Vorjahr und unter den Erwartungen. Adjusted EPS: $0,34, knapp verfehlt. Aber der eigentliche Schlag sitzt in der Q2-Guidance: $68,5–70 Mio. Revenue, bei einem Consensus von $74,6 Mio. EPS-Guidance $0,33–0,35 — der Markt hatte $0,39 erwartet. Die Aktie reagiert entsprechend.
Was ist passiert? Das Management spricht von "elongated client decision cycles" — Kunden schieben Projekte, weil sie nicht wissen, wie viel sie in KI investieren sollen. Das Oracle-Segment blutet weiter. Und die Q2-Guidance signalisiert: Kurzfristig wird es nicht besser.
Was hat sich an meiner These geändert? Der Cash-Compounder läuft — Gross Profit und Operating Cash Flow haben sich sogar verbessert. Aber der Revenue-Gegenwind ist stärker und hartnäckiger als erwartet. CEO Fernandez setzt auf Q3 als Wendepunkt: leichtere Oracle-Vergleichsbasis, AI-Plattform-Margeneffekte, und die IBM-Partnerschaft soll greifen.
Die unbequeme Wahrheit: Ich habe den Zeitdruck des Makroumfelds unterschätzt. Die Substanz-These stimmt — 97% Fortune-100-Kunden, $40 Mio. OCF, bereinigtes KGV einstellig. Aber Substanz allein bewegt keinen Kurs. Dafür braucht es einen Katalysator. Und der lässt auf sich warten. Dazu kommt eine Governance-Frage, die ich im Snapshot zu milde bewertet habe: Das Timing von Stock Price Award Program, $81 Mio. Buybacks auf Kredit und anschließendem Kursverfall verdient eine kritischere Betrachtung.
Für mich ändert sich die Position nicht. Ich habe nachgekauft. Aber wer nachkauft, sollte wissen: Das Warten könnte länger dauern als gedacht.
„Die Algos haben verkauft. Die Frage ist, wer in einem Jahr Recht hatte."
